Den Puricellis, der Familie von Niklaus Kirsch Puricellis Frau Olga, gehörte seit der 18. Jhd. die Rheinböller Hütte, eine der größten und ältesten Eisenhütten des Hunsrücks. Olgas Ur-Urgroßvater, der 1719 geborene Giacomo Antonio Puricelli war um die Jahrhundertmitte vom Comer See in Italien nach Deutschland eingewandert. Sein Sohn Carl Anton Puricelli heiratete Magarethe Utsch, die Tochter von Friedrich Wilhelm Utsch, dessen Familie die Hütte gehörte und der als "Jäger aus Kurpfalz " bekannt und besungen wurde. Durch diese Heirat ging die Rheinböller Hütte auf die Familie Puricelli über, die im 19. Jhd. eine der reichsten in Deutschland wurde und die in der Rhein - Nahe - Gegend eine Reihe von Wohlfahrtseinrichtungen stiftete z.B.: das Blindenheim in Bingen, ein Krankenhaus in Bad Kreuznach und das Waisenhaus in Rheinböllen.
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Nicolaus Kirsch Puricelli, der selbst aus Luxemburg stammte und zeitweilig luxemburgerischer Gesandter im Deutschen Reich war, baute mit seiner Frau Olga, der Alleinerbin der Rheinböller Hütte, zwischen 1899 und 1902 Burg Reichenstein in ihrer heutigen Form auf und aus. Der mit der Bauleitung beauftragte Regensburger Architekt Strebel stützte sich dabei auf alte Grundrißzeichnungen und auf Ansichten der Burg aus dem 17. und 18. Jhd., um den Wiederaufbau des Hauptgebäudes so getreu wie möglich zu gestalten. Nicolaus und Olga Kirsch - Puricelli brachten als kunstsinnige Menschen mit großem historischen Interesse und entsprechendem Stilempfinden alle Voraussetzungen mit, die dem Eigentümer eines geschichtlich bedeutsamen Gebäudes anstehen. Ohne das Ehepaar Kirsch - Puricelli wäre die heutige Gestalt der Burg ebenso undenkbar, wie der reiche Sammlungsbestand des Museums. Insbesondere Baronin Olga sammelte Gemälde, Stiche, Skulpturen, Vasen, Möbel und Musikinstrumente, musizierte selbst und malte eine Reihe von Bildern, von denen einige im Museum, vor allem in der Ahnengalerie zu sehen sind. Viele der Kunstobjekte stammen aus Italien, was sowohl dem italienischen Ursprung der Familie und weiterbestehenden verwandtschaftlichen Beziehungen als auch der Tatsache zuzuschreiben ist, daß ein Bruder von Baron Nicolaus, der Gelehrte Paul Kirsch, lange als Prälat beim Heiligen Stuhl in Rom wirkte und so manches Präsent aus Italien mitbrachte, wenn er hin und wieder die Reichenstein besuchte. Nach und nach trug die Familie auch fast 300 gußeiserne Ofen- und Takenplatten zusammen und errichtete damit eine der größten Sammlungen dieser Art in Deutschland, die Platten aus vier Jahrhunderten umfasst. Baron Nicolaus' Jagdleidenschaft schließlich führte zu einem Bestand von 1200 Jagdtrophäen aus Europa, Asien, Afrika und Nordamerika in der Burg, wobei sich darunter zahlreiche seltene Stücke, wie etwa ein Hirsch mit drei Geweihstangen, Elche mit mächtiger Schaufeln, asiatische Axis- und Sikahirsch- Geweihe, usw. finden. Auch Waffen aller Art sowie Rüstungen wurden gesammelt. Als Baron Nicolaus Kirsch - Puricelli 1936 gestorben war (seine Frau Olga verschied bereits im Jahr zuvor), wurde die Burg vor den Kindern als Wohnanlage aufgegeben: zu teuer war die Unterhaltung eines solchen Anwesens für Wohnzwecke geworden, hatte man doch zeitweilig bis zu 40 Bedienstete (Kutscher, Stallburschen, Heizer, Gärtner, Küchenpersonal, Zimmermädchen, usw. benötigt. Der Erbe, Baron Dr. Paul Kirsch - Puricelli, führte die Burg nun als Museum weiter, ihm folgte sein Neffe, Baron Hermann Freiherr von Schorlemer - Lieser. Erst Anfang 1987, nach fast 90 Jahren in Familienbesitz, fand die Burg mit dem Gastronomen Egon Schmitz einen neuen Eigentümer.
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